Drittelregel

Bildgestaltung 02: Die „Rule of Thirds“

Im letzten Post habe ich bereits über den Raum im Bild geschrieben, darüber, daß man Gesichtern in Blickrichtung Raum gibt, in den sie hineinsehen können, oder Menschen die sich bewegen, Raum, in den sie hineinlaufen können.

Ich habe auch geschrieben, daß man die Figur oder das Gesicht im äußeren Drittel des Bildes positioniert, um diesen Raum zu erzeugen.

Aus diesem „Drittel“ hat sich über die Zeit und Erfahrung von vielen Fotografen und Filmern die sogenannte „Rule of Thirds“ oder „Drittelregel“ gebildet.

Dafür wird ein Bildausschnitt in drei gleichgroße horizontale und vertikale Drittel geteilt. Die Trennlinien kreuzen sich im Bild vier mal. Die Drittelregel sagt nun, daß man zu einer ausgewogenen Bildkomposition gelangt, wenn der Teil des Bildes, für den sich der Betrachter interessieren soll, im Bereich einer dieser Kreuzungspunkte liegt.

Bereichel

Es geht hier also darum, wo man bestimmte Bildelemente positioniert, so daß das Auge das gesamte Bild als angenehm, ausgewogen, im Prinzip als gelungen betrachtet.

Um das anschaulich zu machen, habe ich eine Porträt-Aufnahme, die ich bei einer kleinen Doku für LoveWeddings aufgenommen habe, zweimal in den 16×9 Rahmen eingefügt:

Hier habe ich mich am Rasterorientiert …

Portrait Braut gut

 

… und hier nicht.

Portrait Braut schlecht

 

Klar könnte man auch das zweite Bild irgendwie verwenden, aber wirklich ausgewogen ist es nicht.

Viele digitale Kameras bieten die Möglichkeit, die Linien der Drittel-Regel im Display einzublenden (sogar meine iPhone-App macht das). Daher mein Tipp: Diese Funktion auf jeden Fall einschalten.

Und natürlich stellt diese Regel kein MUSS für jedes Bild dar. Ich werde in den weiteren Posts auf einige andere Prinzipien der Bildgestaltung zu sprechen kommen, die ganz andere Elemente nutzen. Diese Regel ist eine Hilfe an der man sich orientieren kann (nicht zuletzt geht es um den Bereich um den Kreuzungspunkt der Linien und nicht um diesen Punkt exakt!)

Manche nennen diese Regel auch den goldenen Schnitt. Das ist nicht ganz richtig. Das Verhältnis des goldenen Schnitts sind nicht ganz Drittel.

Drittel vs goldener Schnitt

 

Bei der Fotografie kann der exakte goldene Schnitt bei bestimmten Bildkompositionen hin und wieder eine Rolle spielen. Beim Film allerding, wo sowieso vieles in Bewegung sein sollte, reichen die Drittel als Annäherung vollkommen aus.

Wer genau wissen möchte, wie sich der goldenen Schnitt berechnet, der findet das hier.

Hier noch ein paar weitere Bilder aus meinen Arbeiten, die das Prinzip veranschaulichen:

Löwenbrauerei drittell

 

Das folgende Bild benutzt zwar die Drittel-Regel, widerspricht aber den Aussagen im letzten Post, daß man Gesichtern in Blickrichtung Raum lassen soll:
Selina drittell

Dies liegt zum einen daran, daß sich die Darstellerin in der Szene unter der Hantelstange hindurchgebeugt hat, die Bewegung als diagonal von link unten nach rechts oben verläuft und ich die Fortsetzug dieser Bewegungsachse im Blick in ein nicht zu sehendes „Irgendwo“ sehr reizvoll fand.

Denn wie bei allen kreativen „Regeln“ gilt: sie helfen – aber wenn man einen guten Grund hat, es anders zu machen, dann sollte man es auch tun.

Die Drittel-Regel kann man eigentlich bei jeder Art von Bildmotiv anwenden. Auch bei Landschaftsaufnahmen (hier war für mich die Stelle, an der man unter den Ästen ins Licht schauen kann am interessantesten):
Landschaft sw drittel 2

Und hier habe ich mich vor allem an der Bildaufteilung 2/3 zu 1/3 orientiert um eine in dem Fall langweilige Symmetrie zu vermeiden:
Landschaft sw drittel 1

Die Rule of Thirds ist für mich einer der wichtigsten Anhaltspunkte, wenn ich überlege, wie ich ein Bild aufbaue. Vor allem wenn Menschen im Bild sind orientiere ich mich bei der Positionierug der Augen häufig an den Schnittpunkten der Linien. Probieren Sie’s einfach mal aus!

More to come …

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