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Dramaturgie – Ordnung muß sein!

Im Oktober habe ich einen Post geschrieben, in dem ich den Begriff Dramaturgie grob im Bezug auf Imagefilme skizziert habe.

In diesem Post geht es nun darum, wie der dramaturgische Ablauf eines Imagefilms entstehen kann.

Die Wege zur letztendlichen Darmaturgie sind so vielfältig und individuell wie die Unternehmen und Aufgabenstellungen. Was ich im Folgenden aufgeschrieben habe, ist eine Reihe von Überlegungen, die mir bei der Erabeitung von dramaturgischen Konzepten immer wieder geholfen haben.

Also:

Die Dramaturgie ist das, was man den roten Faden des Films nennen könnte. Das bedeutet, sie ordnet die Aussagen, Botschaften zusammen mit den Bildern, der Musik, dem Off-Text, Grafik-Einblendungen etc. zu einem sinnvollen, aufeinander aufbauenden Ablauf.

Die Dramaturgie schafft Ordnung!

Doch wie entsteht diese Ordnung?

Zunächst brauche ich einen Kern, um den herum ich meine Dramaturgie aufbauen an. Dies ist der Anknüpfungspunkt für alle Aussagen und Botschaften des Films und stellt das Zentrum des dramaturgischen Gebildes dar. In ein Bild übertragen könnte man sich den Film wie ein Mobile vorstellen. Und wenn man den Faden zum Aufhängen am Kern befestigt, dann hängen alle anderen Elemente (Aussagen & Botschaften) direkt oder indirekt an diesem Zentrum und zwar in Verbindungen, die so wenige Zwischenverbindungen wie möglich haben.

Wie bereits im letzten Beitrag zu diesem Thema beschrieben, ist sehr häufig die Kernkompetenz der Firma dieser Anknüpfungspunkt. Diese gilt es, normalerweise in enger Absprache mit dem Kunden, so genau wie möglich zu definieren.

Aber es genügt natürlich nicht, nur diese Kernkompetenz auszustellen.

Die nun folgende Frage lautet also: Worauf fußt sie? Was ist ihre Basis?

Was (Fähigkeiten, Produkte, Patente, Entwicklungsabteilungen, Organisationsformen etc.) trägt diese Kernkompetenz und wie gruppieren sich diese Punkte um das Zentrum des Films.

Hier ist es besonders wichtig, Prioritäten zu setzen und das Wichtige vom Unwichtigen zu trennen – und dann auch konsequent darauf zu verzichten. (Ich weiß, manchmal ist das schwer, liebe Kunden!)

Sobald ich den Kern meines Films (und meiner Aussage) habe und weiß, von welcher Basis er sich herleitet, muß ich einen Schritt zurückgehen und alles bisher erarbeitete von Außen, aus der Sicht des Kunden betrachten und fragen: Was, bitteschön, ist der Kundennutzen?

Den Kundennutzen zu definieren und im Film klar zu kommunizieren ist mindestens ebenso wichtig, wie die klaren Aussagen rund um die Kernkompetenz. Schließlich geht es bei dieser Frag direkt um die Zielgruppe!

Idealerweise wird die Kernaussage durch die Beschäftigung mit dieser Frage entschlackt, verschlankt und dadurch verstärkt.

Im nächsten Schritt muß ich den Kundennutzen möglichst aussagekräftig mit meinem Kern, meinem Anknüpfungspunkt verbinden. Diese Verbindungen sind meistens sehr individuell. Aber irgendwie stellt sich immer wieder die Frage: Wie komme ich von A (Kern) nach B (Kundennutzen).

Hier hilft häufig meine Sicht eines Externen (oder anderer Externer, die am Projekt beteiligt sind).

Wie auch immer die Verbindung am Ende aussieht – sie muß logisch sein. Und damit ist man bereits beim nächsten Schritt in der Entwicklung der Film-Dramaturgie. Alles, was bisher erarbeitet wurde muß nun in eine in sich richtige (logische und organische) Reihenfolge gebracht werden. Und hier spielen in der Planung zum erstem Mal auch ästhetische Überlegungen eine Rolle. Verbinde ich unterschiedliche Aussagen/Botschaften auf erzählerische Weise oder reihe ich sie unter der Nutzung von Montagetechniken aneinander. (Solche Montagetechniken können zum Beispiel Matchcuts sein, bei denen sich Teile zweier Bilder gleichen und man sie im Schnitt passgenau übereinanderlegt; weitere Möglichkeiten sind gleiche Einstellungen die eine vergleichbare ästhetische Wirkung haben, ähnliche Farbeinstellungen im Bild, oder oder oder…)

Zentral bei diesen Entscheidungen sind die Fragen: Wie vermittelt sich der Inhalt am einfachsten? und: Wie bleibt der Inhalt bei der Zielgruppe möglichst eindrücklich im Gedächtnis?

Die erzählerische Verbindung bietet sich natürlich an, wenn Aussagen des Films aufeinander aufbauen und logisch auseinander hervorgehen. In der Montage hingegen können unterschiedliche Aussagen gleichwertig nebeneinander gestellt werden.

Und schließlich müssen nun alle meine Überlegungen auch als Ganzes, als kompletter Film, einen Sinn machen. Ich muß also auch noch den großen dramaturgischen Rahmen, der den gesamten Film trägt, entwickeln. Tatsächlich macht es Sinn, diesen Schritt relativ spät im konzeptionellen Prozess zu gehen. Sehr viele Aspekte des großen Rasters entwickeln sich im Lauf der Arbeit ganz organisch. Außerdem komme ich so nicht in die Verlegenheit, Inhalte in eine vorher festgelegte Dramaturgie zu pressen, obwohl sie da eigentlich gar nicht richtig hinpassen.

Ich weiß, daß dies in einem Projekt für die Kunden oft nicht ganz einfach zu verstehen ist. Schließlich wollen Sie wissen, wie ihr Produkt aussehen wird, ohne allzuviel Zeit und eventuell auch Arbeit zu investieren. Aber wenn die großen Züge zu schnell festgelegt werden, kann das Endergebnis sehr darunter leiden!

Mir hat bei der Erarbeitung der Gesamtdramaturgie sehr oft die Orientierung an der klassischen Story-Einteilung „Anfang-Mitte-Ende“ weiter geholfen. (Mehr zu dieser Einteilung habe ich in diesem Post beschrieben.)

In der Praxis kann das bedeuten, daß ich – nach einem Intro, in dem ich den Titel des Films platziere und (ganz wichtig) meine Kernaussage etabliere – meine Dramturgie daran orientiere. (Das Intro könnte man dabei übrigens mit einem Buchumschlag vergleichen: Ganz vorne drauf steht der Titel und im Klappentext, oder bei Taschenbüchern hinten, stehen die wichtigsten Thesen des Autors.)

Im Anfang – der Exposition – erzähle ich, worauf die Kernaussage fußt. Hier bringe ich alle Kompetenzen, Überlegungen, Entwicklungen etc. an, die schlußendlich in der Kernkompetenz der Firma, bzw. der Kernaussage münden.

So aufgebaut komme ich zur Mitte des Films, der sich rund um den Kern dreht und alles beschreibt und zeigt, was dieser alles zu leisten im Stande ist. Hier heben wir also die Kernaussage des Films richtig schön ins Rampenlicht.

Und sobald uns das gelungen ist, die Faszination beim Zuschauer geweckt ist, dann kann man schon auf das dramaturgische Ende zusteuern: Den Kundennutzen. Er steht am Ende. Schließlich wird der Film (in den allermeisten Fällen) für bestehende oder potentielle Kunden angefertigt. Ein gut kommunizierter (und emotionalisierter) Kundennutzen schafft Begehrlichkeiten.

Und diese Behrlichkeiten dann zu befriedigen – das ist nicht mehr Aufgabe des Filmers …

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