Horror Vacui

Horror Vacui

Vor kurzem wurde ich gebeten, bei einer Veranstaltung einen fünfminütigen Powertalk zu halten.

Ich habe den Veranstalter gefragt, ob er dafür ein bestimmtes Thema im Kopf hätte.

Er sagte: Erzähl nicht wie toll Du bist, das ist langweilig! Erzähl, was Du für Probleme hast und wie Du sie löst! – Das ist viel spannender!

Zunächst habe ich natürlich gedacht: Kein Problem!

Aber dann hab ich angefangen, darüber nachzudenken.

Worüber sollte ich reden?

Über Probleme beim Marketing, der Kommunikation, der Kundengewinnung?

Vielleicht über die rasante technische Entwicklung im Filmbereich und über die Probleme mit ihr schrittzuhalten (auch Investitionsmäßig)?

Oder vielleicht über die Probleme, die man als One-Man-Band wie ich hat, alle Aspekte einer kreativen Selbständigkeit unter einen Hut zu bringen. Das ständige Sich-Hinterfragen, die ständigen Veränderungen, die daraus entstehen?

Oder sollte ich sogar über das Problem sprechen, bei den Kunden, den Preis zu erzielen, die mein Produkte wert sind?

Ich habe nachgedacht und nachgedacht. Ich habe mir Notizen gemacht und sie wieder weggeworfen. Ich hatte nie das Gefühl, daß Thema zu treffen.

Und dann sitze ich eines Abends im Auto, stehe an der Ampel und denke: So ein Mist, dir fällt einfach nix Gutes ein!

Und im nächsten Moment war’s mir völlig klar:

Genau das ist das Problem!

Das ist das größte Problem, das man als Kreativer haben kann.

Es fällt mir nichts ein.

Und da hab angefangen darüber nachzudenken, wie ich eigentlich mit diesem Problem umgehe.

Und dabei bin ich (mal wieder) zu zwei Erkenntnissen gelangt:

 

Erstens:

Es ist ok, wenn einem nichts einfällt.

Man darf keine Angst davor haben.

Es ist völlig normal, daß das passiert.

Überhaupt: Angst oder Zwang sind die natürlichen Feinde der Kreativität.

Kreativ sein bedeutet ja, etwas Neues zu schaffen. Und das geht – bei mir zumindest – nur spielerisch. Mit Spaß und der Freiheit, auch Blödsinn zu verzapfen.

Druck führt nicht zu wirklicher Kreativität. Unter Druck mache ich irgendwann Schubladen auf und variiere irgendetwas, was ich schon mal gemacht habe und das funktioniert hat, in der Hoffnung, daß das wieder passiert. Und das ist weder wirklich zielführend noch befriedigend.

Aber ich darf den Druck nicht aufkommen lassen. Ich muß mir auch jetzt auch die Freiheit nehmen, unterschiedliche Wege auszuprobieren, wie die Ideen wiederkommen. Und wenn die Angst keine Chance hat, dann kommen auch die Ideen wieder. Vielleicht beim Spazieren gehen mit dem Hund, vielleicht beim Kaffee trinken, vielleicht sogar bei der Arbeit …

 

Und zweitens:

Nimm das, was Du hast!

Beschwer dich nicht über Dinge die nicht da sind oder nicht so da sind, wie du es dir idealerweise vorstellst.

Wenn ich eine Werbung für ein Auto mache, das potthässlich ist … dann muß es trotzdem wie einen absoluten Traumwagen aussehen lassen.

Man muß mit den Gegebenheiten umgehen und das Beste aus ihnen machen.

Beschweren und Lamentieren sind unnötige Energieverschwendung!

Ich muß mich in dem Zusammenhang natürlich auch an die eigene Nase fassen.

Wir Filmer sind ja auch immer ein bißchen Technik-Geeks, und da kommt dann schon hin und wieder der Gedanke: Mensch, hätt ich jetzt die oder die Kamera, dann …

Es nützt nix!

Die beste Kamera der Welt ist immer die, die ich gerade dabei habe!

Ich hab nämlich keine andere!

Ich hab die und mach jetzt damit einen tollen Film!

 

Und weil ich mich auch bei meinem Powertalk von negativen Energien frei machen und das nutzen wollte, was da war, habe ich genau diese Geschichte an dem Abend erzählt.

 

Abschließend möchte ich noch hinzufügen, daß ich es toll fand, daß bei dieser Veranstaltung Probleme auch so genannt wurden. Herausforderung, Aufgabe, Challenge … an diese bescheuerten Euphemismen glaubt doch eh kein Mensch!

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