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Pre-Production

oder: Vorfreude ist die schönste Freude!

Ein Film wird vor dem ersten Dreh gemacht!

Diese These möchte ich hier nicht wirklich aufstellen. Aber, die Entscheidungen, die vor den ersten Drehtagen getroffen werden sind fundamental für das Erscheinungsbild und die Qualität des Videos, das am Ende dabei herauskommt.

Und dabei ist es egal, ob wir von einem Videoblog reden oder einem Spielfilm.

Welchen Umfang diese Arbeiten haben können und welche Tragweiten den Entscheidungen innewohnen, möchte ich in diesem Beitrag ein wenig näher erläutern. Dabei werde natürlich vieles aus der Sicht des „corporate Films“ beleuchten, ist das doch mein tägliches Brot.

Unter Pre-Production versteht man im Allgemeinen alle Arbeiten, die durchgeführt werden müssen, bevor die Kamera zum ersten Mal laufen kann.

Diese Arbeiten umfassen:

  • Idee / Ideenfindung
  • Konzept
  • Drehbuch
  • Storyboard
  • evtl. Previsualization
  • Casting
  • Szenenbild / Kostüme
  • Location-Scouting
  • Drehplan / Shotlist
  • Organisation / Disposition / Hardware

Alle diese Arbeitsschritte können sich sowohl in einer Hollywood-Produktion wiederfinden wie auch in einem Imagfilm für ein mittelständisches Unternehmen.

Aber natürlich sind die Gewichtungen unterschiedlich.

Ich möchte nun die einzelnen Punkte kurz aus der Warte der Corporate Films beleuchten und ihre Bedeutungen für das Endprodukt erläutern.

Ganz am Anfang steht natürliche eine Aufgabe. Diese lautet (grob vereinfacht) meistens: Wir wollen einen Film für unser Unternehmen!

Nun beginnt die Ideenfindung. Dabei kann man natürlich darauf warten, daß einem der richtige Einfall wie ein Blitz aus heiterem Himmel trifft – aber das passiert leider nur äußerst selten. Gute Grundideen sind meistens das Ergebnis einer ernsthaften Recherche. Dabei ist es wichtig, individuell auf den Kunden einzugehen, die richtigen Fragen zu stellen, um dann, aus den Rechercheergebnissen heraus, auch eine wirklich individuelle Idee zu entwickeln. Wird diese Arbeit gründlich durchgeführt ist die Chance sehr groß, daß die Idee – und alles was sich später daraus entwickelt – den individuellen Anforderungen des Kunden voll entspricht und zu einem Endprodukt führt, das wirklich individuell und einmalig ist.

Hand in Hand damit entsteht (fast gleichzeitig) das Konzept. Hier werden Entscheidungen getroffen wie:

  • Welche Inhalte sollen kommuniziert werden?
  • Und in welcher Reihenfolge? (Es entwickelt sich also eine erste grobe Dramaturgie.)
  • Wie soll der Look & Feel des Films werden?
  • Storytelling – ja oder nein?
  • Wenn ja, fiktional oder dokumentarisch?
  • Interviews oder Off-Sprecher? Oder eine Kombination von beidem?
  • Welche Drehorte müssen eingeplant werden?
  • … und noch viele andere individuellen Details

Je nach dem, wie diese Fragen beantwortet werden, sind die folgenden Punkte unterschiedlich umfangreich.

Bei einer fiktionalen Erzählweise ist ein Drehbuch natürlich unumgänglich und ein Storyboard, zumindest für die komplizierten Szenen, notwendig. Für manche Szenen oder Szenenfolgen kann sogar eine Previsualization (das sind kleine Animationsfilme, die Kamerabewegungen und Aktionen zeigen) sinnvoll sein, damit, später am Drehort, alle das gleiche Bild vom angestrebten Ergebnis haben.

Entscheidet man sich für eine dokumentarische Lösung, kann sich der Aufwand hierbei sehr reduzieren. Wie stark, hängt von den Inhalten ab, den zu besuchenden Locations, den dort vorhandenen Drehmöglichkeiten und nicht zuletzt auch vom Vertrauen, daß dem Filmer entgegegebracht wird, aus dem gefilmten Material eine in sich schlüssige, dokumentarische Handlung zu montieren.

Sinnvoll sind hier oft Zwischenformen, in denen Konzept-Treatments weiterentwickelt und dramaturgisch genauer ausgeführt werden. Es werden Inhalte von Off-Sprecher oder Interviews im Vorfeld grob formuliert und mit visuellen Beispielen (Fotos, Grafiken, Zeichnungen) kombiniert, die eine Vorstellung der späteren Optik vermitteln.

Im fiktionalen Bereich ist das Casting ein entscheidender Schritt. Hierfür sollte man sich nach Möglichkeit so viel Zeit nehmen, bis alle an der Entscheidung beteiligten mit dem Ergebnis zufrieden sind!

Sobald festgelegt ist, welche Darsteller agieren, beginnen normalerweise die Überlegungen zu Szenenbild und Kostümen. Im Corporate-Bereich spielt dies allerding meistens eine untergeordnete Rolle.

Ganz anders sieht es da beim Location-Scouting aus. Das bedeutet nicht nur, die richtigen Drehorte zu finden, sondern vor allem, die durch die Vorgaben festsstehenden Drehorte (wenn möglich) zu besichtigen. Egal ob ich den Film fiktional oder dokumentarisch aufbaue, ist es eigentlich unerläßlich zu wissen, was mich an den jeweiligen Drehorten erwartet, welche Einstellungen problemlos zu realisieren sind und welche Vorplanungen und eventuell Absprachen benötigen. Ich muß wissen, welchen technischen Aufwand ich vor Ort betreiben kann oder muß. Ich muß die Ansprechpartner vor Ort kennen, bevor ich mit der kompletten Ausrüstung und meinen Ansprüchen aufschlage. Und selbst die geografische Ausrichtung ist nicht unerheblich, um zu wissen, wann durch welches Fenster die Sonne scheint.

Ist ein Location-Check im Vorfeld nicht möglich – zum Beispie aufgrund von Entfernung – sollte man zumindest Google-Earth und anderes Bildmaterial für die Planung zu Rate ziehen.

Und mit Planung ist vor allem die Drehplanung gemeint. Mit Drehbuch und Storyboard ist ziemlich klar, welche Bilder ich an welchem Drehort produzieren muß. Aber auch ohne, im dokumentarischen Stil, ist es eigentlich unerlässlich, sich im Vorfeld ganz genau Gedanken darüber zu machen, was man alles filmen möchte, und vor allem wie. Daraus entsteht eine Shotlist, die vor Ort eigentlich unverzichtbar ist. Sie enthält die Ideen für die Bildsprache und die Beschreibung der einzelnen Einstellungen, die für die Umsetzung des Konzeptes notwendig sind. Da dokumentarische Drehs oft mit Überraschungen aufwarten, ordne ich meine Listen auch noch nach Priorität, so daß ich eine komplette Coverage gewährleiste und die wichtigsten Einstellungen auf jeden Fall bekomme.

Da sich jeder etwas unter Organisation und Disposition vorstellen kann, möchte ich hier nicht weiter darauf eingehen.

Eine – zumindest aus meiner Sicht – aber sehr schwerwiegende Frage ist die nach der Hardware. Mit welcher Kamera ich drehe, bestimmt, wieviel zusätzliches Equipment ich benötige. Mit Kamera-Kränen, Dolly-Schienen etc. kann ich eigenlich nur mit einer Crew arbeiten. Ist das, gerade im dokumentarischen Bereich, überhaupt möglich? Habe ich genug Einflußmöglichekeiten auf die Abläufe, um eventuelle Verzögerungen beim Aufbau zu kompensieren? Oder entscheide ich mich, komplett auf alles an Technik zu verzichten, das ich nicht alleine und schnell selbst auf- und umbauen kann? Die Entscheidung läuft letztendlich darauf hinaus, zu beantworten, mit welcher Technik ich meinen gewünschten Bildern, innerhalb der Voraussetzungen am Drehort, am nächsten komme.

Viele Entscheidungen und viele Möglichkeiten andere Wege zu gehen. Den einen, richtigen Weg, gibt es meiner Meinung nach nicht. Aber all diese Überlegungen legen das Fundament für den fertigen Film. Denn je besser vorbereitet man in die eigentlichen Dreharbeiten geht, desto einfacher gestalten sie sich. Das Material paßt in die vorgegbene Dramaturgie und man bekommt keine Schweißausbrüche beim Schnitt.

Eine Menge Arbeit 🙂

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