Zeitraffer

Zeitraffer

Ja, Zeitraffer sind so eine Art Steckenpferd von mir. Und deshalb ist es jetzt endlich an der Zeit, darüber einige Zeilen zu schreiben.

Zeitraffer machen Vorgänge sichtbar, die unser Auge normalerweise so nicht wahrnimmt. Das heißt, entweder weil die Bewegungen extrem langsam von passieren, oder weil der Zeitraffer etwas zusammenfasst, was sich zwar in sichtbarer Geschwindigkeit abspielt, aber normalerweise relativ lange braucht.

Zeitraffer sind zunächst mal keine Filme im eigentlichen Sinn. Sie bestehen aus einzelnen Fotos, die zum Teil mit erheblichen zeitlichen Abständen aufgenommen wurden. Diese Fotos werden dann später am Computer zu Filmen zusammengesetzt. Und auch erst dann sieht man die Bewegung, und auch erst dann sieht man, ob der Zeitraffer gelungen ist.

Diese Ungewissheit ist etwas, was mich besonders fasziniert. Es ist ein bißchen so wie früher, in den Zeiten der analogen Fotografie, als die Filme erst entwickelt und die Abzüge belichtet werden mußten, bevor man sehen konnte, wie das Bild eigentlich geworden ist.

Und bei Zeitraffern dauert es auch eine Weile, bis man das Endergebnis sieht.

Bei Astrozeitraffern, also Aufnahmen, bei denen man die Bewegung der Sterne sichtabr macht, sieht man es erst am nächsten Tag, wenn man die Bilder zu einem Film zusammenfaßt. Und erst dann sieht man die Fehler, die man gemacht hat und kann sie korrigieren. Aber dafür braucht man dann eben wieder eine sternenklare Nacht.

Besonders langwierig, einen gemachten Fehler zu korrigieren, ist es bei Zeitraffern, die das Aufblühen einer Blume zeigen.

So wie hier:

Manchmal dauert es mehrere Tage, bis sich die Knospe, die man sich ausgesucht hat, sich entschließt, endlich aufzublühen.

Und dann weiß man noch nicht, ob man die Aufnahmeintervalle richtig gewählt hat und das Tempo des Erblühens in der Nachbearbeitung auch richtig bearbeitet werden kann.

Und manchmal wachsen die Pflanzen auch einfach aus dem Bild …

Oder eine Lampe fällt genau zum falschen Zeitpunkt aus …

Ein wirklich langer Lernprozeß.

Die ersten Blüten-Zeitraffer habe ich vor ungefähr drei Jahren gemacht.

Die ersten brauchbaren Aufnahmen erst einige Monate später-

Man braucht dafür einen dunklen Raum, den man zum Studio umfunktionieren kann, sonst aber während der Zeit der Aufnahmen nicht benutzt.

Darin postiert man die Pflanze, eine Beleuchtung, die sie mit UV-Licht versorgt (ganz wichtig, sonst wächst nix!), sowie weiteren Leuchten, die die Blüte so ausleuchten, daß es ein schönes Bild gibt.

Dann stellt man die Kamera davor (mit einer externen Stromversorgung – Akkus haben hier ganz schlechte Karten), richtet das Bild ein, wählt die Aufnahmeintervalle (je nach Blüte zwischen 2 und 5 Minuten) und dann heißt es warten.

Ich kontrolliere die Pflanze meistens zwei mal am Tag. Wenn sich 24 Stunden erst mal nichts getan hat, lösche ich meistens die bereits gemachten Bilder. Die würde ich in der Nachbearbeitung sowieso nicht verwenden.

Am längsten zierte sich die Blüte der Passionsblume, bei deren Knospe sage und schreibe acht Tage lang nichts passierte.

Sobald dann das Aufblühen begonnen hat geht es meisten relativ schnell (also etwa 1 bis 2 Tage) und der Zeitraffer kann am Computer zum Leben erweckt werden.

Astrozeitraffer sind da schon etwas schneller – man braucht nur eine sternklare Nacht und – ganz wichtig – irgendein erkennbares Objekt im Bildvordergrund, das sich nicht bewegt. Denn nur so wird die Bewegung der Sterne als solche erkannbar:

Damit ich nicht die ganze Nacht auf die Kamera aufpassen mußte, entatanden die meisten dieser Zeitraffer in meinem Garten. 🙂

Insgesamt finde ich die Arbeit an Zeitraffern eine gute Übung in Geduld. (Ich möchte hier bewußt nicht das Modewort „Entschleunigung“ verwenden).

Bei einem Zeitraffer, irgendwo, auf einem Feld oder vor einem Gebäude, muß man einfach warten, bis genügend Bilder gemacht sind. Und das kann, auch am Tag, schon mal ein paar Stunden dauern. Und in dieser Zeit sitzt man neben seinen Kameras und hat nichts anderes zu tun, als sein Equipment zu bewachen.

Wenn das Wetter warm und die Location schön ist, kann das durchaus angenehm sein. Bei kaltem Wetter und womöglich an Orten, die man nur zu Fuß erreichen kann, ohne Möglichkeit sich zu setzen, werden ein paar Stunden auch mal zur echten persönlichen Prüfung.

In meinem Zeitraffer-Reel sind solche und solche Situationen vertreten.

Etwas tiefere Einblicke in die Technik und ein paar Tricks und Kniffe für alle, die einmal Zeitraffer ausprobieren wollen (es gibt jede Menge Apps dafür), gibt es in einem späteren Post!

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